Lombok – Ein fragiles Paradies

Lombok war eines der Highlights unserer Indonesien-Reise 2016. Ich habe mich stark in die Insel, die Menschen, das Essen, die Landschaft, die Strände und die Kultur verliebt. Hier konnte ich genau die Authentizität und Einfachheit finden, die ich auf Bali so oft vermisst habe.

Welcome to Kuta Lombok

Willkommen in Kuta, Lombok!

Etwas über 3 Millionen Menschen leben auf der indonesischen Insel, die nur wenig kleiner als Bali ist und durch die 35km breite Lombokstraße von ihrer berühmten Nachbarinsel getrennt wird. Diese 35km Wasser trennen jedoch Welten voneinander. Auch wenn beide Inseln auf den ersten Blick scheinbar zahlreiche Gemeinsamkeiten haben. Insbesondere der Westen der Insel, mit der Hauptstadt Mataram und dem Touristenzentrum Senggigi, erinnert, dank seiner üppig grünen Natur, stark an die Nachbarinsel. Auch finden sich hier einige bedeutende, hinduistische Tempel, wie man sie aus Bali kennt.

Auf den zweiten Blick sind die Unterschiede zwischen beiden Inseln jedoch deutlich tiefgreifender. So dominiert auf Lombok, wie auf fast allen anderen indonesischen Inseln, der Islam. Aber auch die Kultur ist eine andere, da auf Lombok die Volksgruppe der Sasak lebt. Über die tatsächliche Geschichte und Kultur der Sasak ist relativ wenig bekannt. Was den Kontakt mit dieser Kultur umso spannender macht. Einen Einblick in das Leben und die Kultur der Sasak bekommt man in den touristischen Sasak-Dörfern Sade und Rembitan in der Nähe von Kuta.

Sasak Culture Lombok

Sasak Festzug im Landesinneren

Tatsächlich markiert die Lombokstraße außerdem eine wichtige biogeographische Grenze: Die Wallace-Linie, die den australischen vom asiatischen Naturraum trennt. Das bedeutet, dass die Flora und Fauna Lomboks tatsächlich eher Australien als Bali ähnelt. Aufgrund der Tiefe des Seegrabens wurde selbst in den Eiszeiten ein biologischer Austausch zwischen diesen beiden Gebieten verhindert. Die Unterschiede werden vor allen Dingen im Süden und Osten der Insel deutlich. Dort herrschen längere Trockenzeiten, so dass sich hier savannenartige Landschaften finden, die nichts mit der üppigen Natur Balis gemeinsam haben. Die Landwirtschaft, die der wichtigste Erwerbszweig der Bevölkerung ist, hat sich hier nicht auf Reis- sondern auf Getreideanbau spezialisiert.

Ashtari Lombok

Blick auf Kuta

Die Hauptstadt Mataram wirkt mit ihren ca. 360.000 Einwohnern ruhig und dennoch geschäftig. Klapprige Pferdekutschen ziehen die schmalen, langen Straßen entlang, die von einfachen Geschäften mit Produkten für allerlei Alltagsgegenstände gesäumt werden und nicht wie auf Bali mit Touristenshops zugepflastert sind. Die Zeit scheint in Mataram fast ein bisschen stillzustehen und so hatte die Stadt, auch wenn sie nicht sonderlich attraktiv wirkte, doch etwas sehr verlockend, charmantes.

Der internationale Flughafen befindet sich gefühlt in der Mitte vom Nirgendwo, in Praya. Das liegt ca. 50km von Senggigi, aber nur 20 km von Kuta entfernt. Anders als auf Bali spielt der Tourismus für die Wirtschaft Lomboks auch eine sehr untergeordnete Rolle. Dabei hat die Insel unglaublich viel zu bieten. Neben sehr offenen, freundlichen Menschen und einer facettenreichen Kultur, ist es vor allen Dingen die vielfältige Natur, die zu verzaubern weiß. So kann man zum Beispiel fast unberührte Wasserfällen entdecken und spektakuläre Trekking-Touren auf den Gunung Rinjani unternehmen. Mit Baby war uns ein solches Abenteuer leider nicht möglich, doch ich hoffe, dass dies nicht unser letzter Lombok Aufenthalt war und wir das irgendwann nachholen können. Das Highlight auf Lomboks sind aber sicherlich die kilometerlangen Traum-Strände im Süden der Insel. Perfekte Strände mit perfekten Wellen in wunderschönen Buchten, kaum Menschen, nur ein paar Surfer, das Meer und Du. Fast zu schön, um wahr zu sein!

selong-belanak-beach

Traumstrand: Selong Belanak

Ich hoffe sehr, Lombok erhält sich seine Natürlichkeit und Ursprünglichkeit noch eine ganze, lange Weile und bleibt von den Auswüchsen des Massentourismus auch in naher Zukunft verschont. Es wäre sehr traurig, wenn die wunderbare Natur und diese weiten Strände irgendwann von Hotelanlagen, Bars und Souveniershops zerstört werden würden.

 

Kuta

Die Gegend um Kuta ist noch immer ein kleiner Geheimtipp und steckt in den touristischen Kinderschuhen. Mit dem Novotel gibt es nur ein einziges Resort-Hotel vor Ort, so dass das Publikum hauptsächlich aus Surfern und Backpackern besteht. Das Kuta Lomboks hat daher auch so gar nichts mit dem berüchtigten Kuta auf Bali gemein. Es ist ein etwas größeres Dorf, das von breiten, staubigen Straßen durchzogen wird. Kühe grasen zwischen Müllhaufen. Neben den einfachen Häusern der Einheimischen findet sich ab und zu ein Warung oder ein kleines Café. Dazwischen aber immer wieder wuchernde Natur.

Kuta Lombok

Downtown Kuta

Der Strand in Kuta ist stellenweise von einer Promenade gesäumt, die von Kindern und Frauen belagert wird, die Armbänder und Sarongs verkaufen wollen. Ansonsten wird der Strand fast ausschließlich von den Einheimischen zum Baden und Fischen genutzt, da er einfach nicht mit dem Wow-Faktor der umliegenden Strände mithalten kann. Wir wollten mit Tara zusammen den Strand entdecken, ein bisschen im Sand spielen und vielleicht etwas Schwimmen, nur leider kamen wir nicht weit. Wir waren in kürzester Zeit von einer Traube Menschen umzingelt, die alle Tara bestaunen und halten wollten. Das war ein sehr schönes Erlebnis, hatte aber nichts mit dem entspannten Strandausflug zu tun, den wir uns ursprünglich vorgestellt hatten. Tara ist die ganze Aufmerksamkeit irgendwann dann auch zu viel geworden und so haben wir uns in ein nahegelegenes Warung zurückgezogen.

Lombok Locals

 

Erleben

Die Natur um Kuta ist einzigartig und wunderschön: Dichtes Grün wechselt mit steppenartigen Landschaften, sanfte Hügel fallen in spektakuläre Buchten und geben so den Blick auf Strände frei, die so perfekt  sind, dass Worte sie nicht beschreiben können. Das Ganze wird abgerundet von wenig Menschen und ebenso wenig Verkehr.

Tanjung A’an war der erste Strand, den wir besuchten. Die Bucht des sanft abfallenden, sauberen Strandes ist weit geschwungen. Das Meer ist ruhig und recht flach, so dass wir hier auf einige Familien mit Kindern trafen. An der rechten, äußeren Seite der Bucht gibt es ein kleines Warung. Dort kann man es sich mit einer frischen Kokosnus auf einer Liege gemütlich machen, das Meer betrachten und dazu köstlich frischen Fisch zu unschlagbaren Preisen genießen. Von einem kleinen Hügel, nahe des Warungs, kann man später dann den Sonnenuntergang über dem Meer betrachten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fährt man von Kuta in die entgegengesetzte Richtung über die zahllosen Hügel, kommt man recht bald zu Mawun Beach. Die Bucht ist kleiner und der feine Strand fällt nicht ganz so flach ins Meer ab, das hier etwas tief und wilder ist. Wir haben uns bei den Strandverkäufern köstlich, frische Ananas gekauft und die Aussicht auf diese perfekt geschwungene Bucht genossen.

Mawun Beach Lombok

Mawun Beach

Unser absoluter Traumstrand war jedoch Selong Belanak. Dieser breite Sandstrand ist so fein und sauber, dass er fast weiß in der Sonne glitzert. Er läuft flach in die regelmäßig dahinrollenden Wellen des Meeres und ist somit für Familien und Surfer gleichermaßen perfekt. Am Rande des Strands gibt es einige kleine Warungs, die Liegen, leckeres Essen und frische Kokosnüsse anbieten. Was braucht man mehr zum Glücklich sein! Ich hätte hier Wochen verbringen, die Surfer und das Meer beobachten können. Diese unendliche Weite und das ergreifende Gefühl etwas so perfekt Schönes zu erblicken. Unbeschreiblich!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Genießen

Die Auswahl an Restaurants in Kuta ist überschaubar. In der Jalan Pariwisata Pantai Kuta finden sich einige einfache Bars und coole Warungs aus Bambus. Dort gibt es Bier, Barbecue und ein paar Souvenirs zu kaufen. Wer es ein kleines bisschen schicker mag, sollte unbedingt das Ashtari Restaurant besuchen. Das Essen ist zwar nur mittelmäßig, jedoch macht das die Aussicht auf die Bucht von Kuta in jedem Fall wieder wett. Unter dem Restaurant liegt außerdem ein kleines Yogastudio, wo man vor dieser spektakulären Kulisse Yoga praktizieren kann.

 

Übernachten

Wir haben in den Kies Villas übernachtet. Die gesamte, kleine Anlage ist neu und sehr gepflegt. Der sympathische, australische Betreiber und sein tolles Team kümmern sich vorzüglich um das Wohl der Gäste. Für Tara haben wir sogar ungefragt ein Babybett bekommen. Die kleinen Bungalows sind modern eingerichtet und haben ein schönes, offenes Bad. Am tollsten fanden wir jedoch die große Poolanlage, die von zahlreichen bequemen Sitz- und Liegeflächen umgeben ist. Viele Stunden haben wir dort glücklich gechillt und die Sonne genossen.

 

Senggigi

In Senggigi haben wir es uns für ein paar Tagen in dem wunderbaren Jeeva Klui Resort gut gehen lassen, haben das köstliche Essen im Restaurant genossen und uns bei tollen Massagen verwöhnen lassen. Insbesondere das a la Carte Frühstück ist umwerfend: Eine solche Auswahl habe ich selten erlebt! Aber auch die Herzlichkeit des Personals war einzigartig.

Das Hotel liegt an einem kleinen Strand, der mit gräulichem Sand bedeckt ist. Er ist mit vielen Muscheln, Korallen und größerem Treibgut übersäht und es gibt dort ein kleines Riff, das sich zum Schnorcheln anbietet. Da das Meer zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts jedoch sehr wild und die Strömung so stark war, waren wir nur im schönen Infinity Pool des Hotels schwimmen. Neben dem Hotel befindet sich eine von Palmen gesäumte Wiese mit einigen sauberen Grillplätzen und Essenständen. Dort treffen sich vor allen Dingen am Wochenende viele einheimische Familien. Auch hier hat uns die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen mitgerissen. Jeder schien von Herzen erfreut uns zu treffen, mit uns Englisch sprechen oder mit Tara spielen zu können. Das waren wirklich tolle Momente, die das Reisen für mich so besonders machen und mich lehren auch in meinen eigenen, deutschen Alltag mehr Lächeln, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft zu integrieren.

Senggigi Beach Lombok

Über Senggigi selbst gibt es nicht viel zu sagen. Senggigi ist das Touristenzentrum Senggigi LombokLomboks in all seinen hässlichen Ausprägungen. In der unscheinbaren Stadt reiht sich Bar, an Restaurant, an Souvenirshop. Hier findet man all die teuren und weniger teuren Resorts, die neben All-Inclusive, auch Schnorchel-Ausflüge und Touren zu den Gillis anbieten. Als wir dort waren, wirkte die Stadt wie im Tiefschlaf versunken, gar nicht darauf wartend jemals geweckt zu werden. Eigentlich hätten wir uns den kurzen Ausflug nach Senggigi sparen können, wenn wir nicht Sudirman Antiques Shop entdeckt hätten, ein versteckes Juwel unter all dem Trash. Herr Surdiman ist ein unglaublich herzlicher und weiser Mann, bei dem wir viel über die Kultur und Geschichte der Sasak lernen konnten. Sein Geschäft wirkt wie ein kleines Museum, die Artefakte sind einzigartig und zu jedem kann er eine spannende Geschichte erzählen. Besonders schön fanden wir auch, dass wir, dank Tara, die frech den Hinterhof erkundete, Herr Surdimans gesamte Familie kennenlernen durften.

Surdimans Antiques

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s