Singapore Skyline

Singapur mit Baby

Wir waren im Mai / Juni 2016 für insgesamt 4 Tage mit unserer damals 11 Monate alten Tochter in Singapur. Dies war bereits unser zweiter Aufenthalt in Singapur und so fanden wir es sehr spannend die Metropole, dank Tara, nun aus einem ganz anderen Blickwinkel zu erleben.

Der Stadtstaat Singapur ist eine Metropole der Superlative. Die Insel ist zwar flächenmäßig der kleinste Staat Südostasiens, aber mit über 11 Millionen Touristen gleichzeitig eine der meistbesuchten Städte der Welt. Die über 5 Millionen-Einwohner-Stadt ist einer der wichtigsten Finanzplätze Asiens und hat eine der höchsten Lebenshaltungskosten, was Singapur leider zu einem nicht besonders günstigen Reiseziel macht.

Singapore view from gardens by the bayIch selbst habe ein ambivalentes Verhältnis zu der Stadt. Zwar würde ich jederzeit wieder für ein paar Tage nach Singapur reisen, die Stadt aber niemals als einen meiner Herzensorte bezeichnen. Das liegt daran, dass ich Singapur einen Tick zu schick, futuristisch, sauber und teuer finde. Die Stadt wirkt im Vergleich zu den meisten anderen asiatischen Metropolen einfach zu clean und glattgebügelt. Andererseits fasziniert mich der lebendige Mix unterschiedlicher Kulturen, die hier auf engstem Raum harmonisch miteinander leben. Singapur ist ein multiethnischer Staat. Das führt zu einer atemberaubenden Auswahl an köstlichem Essen und einer unglaublich vielfältigen Kultur und Architektur. Mit jedem Stadtteil betritt man ein anderes Land, mit all den dazugehörenden Geräuschen, Gerüchen und Geschmäckern. Die größten Bevölkerungsgruppen sind Chinesen, Malaien und Inder. Im Geschäftsleben und als Verkehrssprache ist Englisch die dominierende Sprache, was das Reisen in Singapur sehr angenehm macht. Jedoch existieren in Singapur tatsächlich vier offizielle Amtssprachen: Chinesisch, Englisch, Malaiisch und Tamil.

Singapore Skyline with Temple

Der Blick auf den Financial District mit dem Thian Hock Heng Tempel im Vordergrund

Sehr angenehm ist auch das effiziente, saubere und günstige öffentliche Nahverkehrssystem. Mit dem MRT ist man im Nu von einer Ecke der Stadt in die andere gereist. Insbesondere wenn man mit Baby unterwegs ist, ist das sehr angenehm. Wir haben Tara zwar die meiste Zeit wieder im Tuch oder in der Trage transportiert, aber auch mit Buggy kommt man hier super voran. Zudem sind mir in noch keinem anderen Land so hilfsbereite, zuvorkommende Menschen wie in Singapur begegnet. Mir wurde ausnahmslos, jedes Mal ein Sitzplatz für Tara und mich angeboten – und das selbst in der hektischsten Rush-Hour.

 

 

Singapur erleben

Die vielfältige Mischung der Kulturen und Religionen ist sicherlich eine der Besonderheiten Singapurs, die deutlich das moderne Stadtbild prägen. An fast jeder Ecke findet sich eine Moschee oder ein Tempel, ob buddhistisch, hinduistisch oder taoistisch. Einzelne Stadtteile wie Little India oder Chinatown sind dabei so stark durch bestimmte Ethnien geprägt, dass man wirklich das Gefühl hat in eine andere Welt abzutauchen. Betritt man dagegen den Financial District, die Orchard Road oder die Marina Bay Area findet man sich in einer futuristischen Hochglanz-Wunderwelt des Konsums und modernsten Lebens wieder.

Gardens By The Bay Singapore

Gardens By The Bay

Während unseres ersten Aufenthalts in Singapur 2011, wurden die Gardens by the Bay gerade gebaut. Daher waren wir sehr gespannt zu sehen, wie sich der Bereich in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hatte.

Der Eintritt in das kunstvoll-künstlich angelegte Areal ist kostenlos. Das Gelände ist jeden Tag von 09 bis 21 Uhr geöffnet. Jeden Abend (um 19:45 und 20:45) gibt es dort eine spektakuläre Lichtshow, die wir leider verpasst haben, da unsere Tochter zu müde war und ins Bett wollte. Tagsüber schlendert man fast verloren durch die riesige Anlage und den monströsen Supertree Grove. Leider fand ich aber weder die stählernen Supertrees, noch die gesamte Anlage besonders beeindruckend oder schön. Mir war das alles viel zu künstlich, zu leblos und zu clean, als dass ich mich hier der Natur nahe gefühlt hätte.

Cloud Forest Singapore

Dennoch haben wir die 20 SGD Eintritt pro Person für den Flower Dome und den Cloud Forest gezahlt und dort auf ein Aha-Erlebnis gehofft. Doch leider gab es auch dort wieder nur traurige Pflanzen in einer kalten Kunstlandschaft zu bestaunen. Im Flower Dome kann man Tulpen, Geranien und Kakteen betrachten, die kunstvoll zwischen kitschigen Holzskulpturen arrangiert sind. Im Cloud Forest steigt man zu einem künstlichen Wasserfall auf, dazwischen immer wieder prächtige Orchideen und exotische Farne. Oben angekommen genießt man kurz den Ausblick und wird dann durch einige Räume mit Lehrtafeln über Natur- und Umweltschutz wieder nach unten geleitet. Dabei habe ich mich gefragt, wie viel Energie wohl für diesen überdimensionierten Pflanzen-Kühlschrank verbraucht wird. Die ganze Anlage vermittelt den Eindruck einer Gesellschaft, die jeglichen Bezug zur Natur verloren hat und nun ein Abbild dieser in einem hypermodernen Vergnügungs-Gewächshaus zur Schau stellt. Ich war enttäuscht und kann die Anlage, ganz im Gegenteil zu dem wunderbaren botanischen Garten den wir bereits 2011 besucht hatten, nicht empfehlen.

Cloud Forest Singapore

Warnung: Die beiden Gewächshäuser sind extrem klimatisiert. Zum Glück hatte ich für Tara eine Jacke dabei und habe sie im Tuch eng an mir getragen, sonst wäre der Ausflug definitiv zu kalt für sie gewesen.

 

Little India

Little India ist ein echtes Erlebnis. Hier findet man Trubel und Menschenmassen. Der Geruch von Räucherstäbchen und süßem Curry füllt die Straßen. Die Geschäfte quellen über voll glitzernder Armreifen, duftender Blumengebinde und prachtvoller Saris. In Seitenstraßen finden sich magische Tempel, wie zum Beispiel der Sri Veeramakaliamman Tempel, der einer der ältesten Tempel Singapurs ist.

Während unseres ersten Aufenthalts hatten wir direkt in Little India im hippen Wanderlust Hotel gewohnt und die gesamte Atmosphäre und das Essen dort sehr genossen. Diesmal machten wir nur einen kurzen Abstecher in das Viertel und frischten verblasste Erinnerungen wieder auf.

Little Indie Singapore

 

Chinatown

Der touristische Teil Chinatowns mit den unzähligen Restaurants, Kitsch- und Schnickschnack-Läden ist insgesamt vielleicht etwas zu viel – und doch hat mich die Atmosphäre dort einfangen können und ich musste ein bisschen Kitsch und Blingbling kaufen. Der gold-erschlagende Prunk des modernen Buddha Tooth Relic Temple machte mich auch bei meinem zweiten Besuch wieder sprachlos. Dagegen wirkt der hinduistische Sri Mariamman Temple fast zurückhaltend. Ich weiß noch, wie mich die ausdrucksstarken, bunten Figuren bei unserem ersten Besuch beeindruckt hatten.

Die wirkliche Entdeckung war für mich jedoch der Bereich um die Telok Ayer Street, nur ein paar Straßenzüge hinter dem ganzen Touristen-Trubel. Dort befindet sich mit dem Lau Pa Sat nicht nur der älteste Markt und Food Court in Singapur, sondern man findet dort auch Straßenzüge mit wunderschönen Shop Houses, zahllosen guten Restaurants und Coffee Shops und einige schöne, ältere Tempel, wie den Thian Hock Heng Temple, der gelassen vor der gewaltigen Skyline des Financial Districts ruht.

 

Kampong Clam

Kampong Glam ist nicht nur das arabische Viertel, in dem die märchenhafte Sultan Mosque zu finden ist, sondern auch das aktuelle In-Viertel Singapurs. Hier sind die Wände der engen Gassen mit kunstvollen Murals verziert und hippe Cafés wie The Lab laden zum Verweilen ein. Insbesondere in der Haji Lane, aber auch in den vielen verwinkelten Seitenstraßen, reihen sich Cafés, an coole Bars und schicke, kleine Läden mit tollen Produkten von lokalen Designern.

 

Geylang

Der für uns spannendste Stadtteil war aber sicherlich Geylang. Dort befanden sich unsere AirBnB Unterkünfte, sonst hätten wir diesen Teil Singapurs vermutlich nie zu Gesicht bekommen. Geylang hat nämlich einen etwas zwiespältigen Ruf, da der Stadtteil, ab der Lorong 22 absteigend, eines der wenigen Rotlichtviertels Singapurs beherbergt – und so findet man ab diesem Straßenzug dann auch zahlreiche Sexshops, Stripbars etc.

Im Großteil des Viertels bekommt man davon jedoch überhaupt nichts mit. Dort ist Geylang ein ganz klassisches Wohnviertel, mit großen schicken Wohnkomplexen und dazwischen immer wieder Straßenzüge mit farbenfrohen Shop Houses. Hier spielt sich das alltägliche Leben Singapurs ab. In den Seitenstraßen finden sich zahlreiche bunt verzierte Tempel der unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Obsthändler, Lebensmittelläden und unglaublich günstige Restaurants, in denen man sich durch die vielfältige Küche Singapurs schlemmen kann. Insbesondere die Restaurants um die MRT Station Alijuned sind sehr zu empfehlen.

Geylang Shop Houses

Geylang ist wirklich eine Entdeckung, wenn man keine Berührungsängste hat und Abseits des Großstadttrubels einen Eindruck in das echte Singapur erhalten möchte. Ich empfand diesen Stadtteil als deutlich weniger künstlich oder clean und hatte hier das Gefühl mich in einer echten asiatischen Metropole zu befinden.

Tipp für Reisende mit Babys: Geylang als Wohnviertel war auch der ideale Ausgangspunkt für das Reisen mit Baby in Singapur. Nur ein paar Blocks von unserer Unterkunft entfernt gab es nämlich einen großen Fairprice Supermarkt, indem wir sämtliche Babyutensilien und Lebensmittel zu einem wirklich guten Preis kaufen konnten, so zum Beispiel 70 Windel von Mamy Poko für gerade mal 20 SGD. Im Zentrum hätten wir auf die begrenzte und überteuerte Auswahl eines 7-Eleven zurückgreifen müssen.

Shop Houses Geylang

Singapur erschlemmen

Die Küche Singapurs zeichnet sich durch die kulturellen Einflüsse der unterschiedlichen Ethnien aus und ist somit eine der Vielfältigsten der Welt. Man findet hier chinesische, malaiische, indische, indonesische, thailändische oder westliche Gerichte und natürlich auch die ganz typische Küche Singapurs, die ein Schmelztiegel aus all dem darstellt.

Essen ist in Singapur daher fast eine Art Volkssport und wird insbesondere in den legendären Hawker Centern von Morgens bis Abends zelebriert. Die Hawker Center sind typische Garküchen, die aufgrund der verbesserten Hygienebedingungen in überdachte Komplexe angesiedelt wurden. Dort kann man sich extrem günstig und authentisch durch die landestypische Küche futtern. Die Hygiene-Standards in allen Restaurants und auch den Hawker-Stalls sind sehr hoch, so dass man sich selbst Problem-Mägen hier unbedenklich durch das gesamte Sortiment schlemmen kann.

durian-singapore

Geylang East Sin Hin Food Centre

Wir waren in Singapur viel und gut essen, doch das beste und authentischste Essen hatten wir sicherlich in einem Hawker Center in Geylang, dem Geylang East Sin Hin Food Centre. Tatsächlich fanden wir es dort so köstlich, dass wir wirklich jeden Morgen dort ein sehr umfangreiches, herzhaftes Frühstück eingenommen haben. Das offene Gebäude ist in zwei Räume unterteilt, in denen man an einfachen Tischen platznehmen kann, nachdem man sein Essen an den jeweiligen Ständen bestellt hat. Wie im gesamten Viertel, waren wir auch hier die einzigen Touristen und frühstückten so meistens zwischen älteren Herrschaften chinesischer Herkunft, die ganz verzückt mit Tara flirteten.

Geylang Food Center Singapore

Wir haben uns für 2 – 4 SGD durch Roti Prata oder leckere vegane Mie Nudeln mit Gemüse probiert und dazu frischen Eistee oder Teh Tarik getrunken. Unser Highlight war jedoch der Fried Carrott Cake, eine Spezialität aus Singapur. Dabei handelt es sich nicht um einen süßen Karottenkuchen, wie wir ihn kennen, sondern Rettich Stücke (Daikon), die mit Ei und Knoblauch angebraten werden. Die weiße Variante ist pur, die Schwarze wird mit dunkler Sojasauce gemischt. Wirklich köstlich!

Carrot Cake Singapore

Penang Seafood Restaurant

Ein weiteres Highlight unserer Futter-Tour war das Penang Seafood Restaraunt, das sich vor der Alijuned MRT Station befindet. Unser AirBnB Host hatte es uns empfohlen und das frische, günstige Essen konnte uns so überzeugen, dass wir gleich zweimal dort zu Abend gegessen haben. Besonders lecker waren die Hokkien Prawn Mie für gerade mal 6 SGD, eine Spezialität aus Singapur, aber auch das knackfrisch, gebratene Gemüse und die klassische Chili Grab konnten uns absolut überzeugen.

Hokkien Prawn Mie Singapore

Lagnaa Barefoot Dining und Din Tai Fung

Den Aufenthalt in Singapur haben wir außerdem genutzt, um alte Lieben aufzufrischen – und wie das so mit alten Lieben ist, manchmal haben sie leider etwas Rost angesetzt. Die Dim Sum der Din Tai Fung Filliale in der Marina Bay Link Mall waren wie erwartet nicht ganz günstig, dafür aber köstlich. Nur leider artete der Genuss schnell in Stress aus, beim Versuch unser Kind daran zu hindern in der schicken Location den gesamten Boden mit Reis zu bestreuen.

Das Curry im Lagnaa Barefoot Dining war ebenfalls so lecker wie wir es von unserem ersten Besuch in Erinnerung hatten und auch der Service war ausgesprochen zuvorkommend. Nur leider waren die Preise seit unserem letzten Besuch extrem angezogen. So hatten wir im Lagnaa Barefoot Dining mit die teuerste Mahlzeit unseres gesamten Urlaubs (ca. 65 SGD) – und so übertrieben gut war das Curry dann vielleicht doch nicht.

 

Übernachten

Die überzogenen Hotelpreise in Singapur waren der Grund, warum wir uns entschieden es diesmal mit AirBnB Unterkünften zu versuchen. Insgesamt waren wir mit dem Appartement, dass wir auf dem Hinweg und dem Zimmer, das wir auf dem Rückweg, gebucht hatten auch sehr zufrieden. Statt in einem winzigen Hotelzimmer zu dritt zu sitzen, hatten wir nun jeweils viel mehr Platz und eine Küche, in der wir Tara schnell etwas zu Essen zubereiten konnten.

Da unser Hinflug knapp 3 Stunden Verspätung hatte und man das Wlan am Flughafen in Singapur man leider nur extrem kompliziert aktivieren kann, hatte ich jedoch leider keine schnelle, kostengünstige Möglichkeit unseren Host nach unserer Ankunft zu kontaktieren, um ihm mitzuteilen, dass wir zu ihm unterwegs waren. Daher fuhren wir gefühlt auf gut Glück zu der Adresse und waren dann sehr froh, als uns dort tatsächlich jemand die Tür öffnete. Insgesamt entsprach die kleine Wohnung, die wir ganz für uns hatten, zwar unseren Vorstellungen, nur das Bett war für uns drei dann doch etwas sehr schmal und die miefige Luft der Klimaanlage konnte uns nicht wirklich begeistern.

Die zweite Unterkunft war eine sehr große Wohnung mit riesiger Pool-Anlage in einem schicken Appartement-Komplex. Dort hatten wir ein sauberes, schönes Zimmer und Bad für uns. Die Hosts, die ebenfalls dort lebten waren sehr hilfsbereit und freundlich. Für mich war es aber ein recht ungewohntes Gefühl, mit unserem wilden Baby, bei völlig Fremden zu Gast zu sein. Ich fühlte mich nicht so frei, wie ich das in der Anonymität eines Hotels getan hätte. Ich fühlte mich zu mehr Zurückhaltung und Rücksichtnahme verpflichtet. Dennoch fand ich beide Erfahrungen als sehr spannend und bin mir sicher, dass sie einen Großteil zu unserem besonderen Erleben von Singapur beigetragen haben.

singapore-haji-lane

Kannst du dir vorstellen mit Baby oder Kind nach Singapur zu reisen? Warst du schon mal dort? Was hast du erlebt? Hast du AirBnB Erfahrungen gemacht? Würdest du des nochmal tun?

Advertisements

2 Gedanken zu “Singapur mit Baby

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s